Glücksspielarten und ihr Suchtpotenzial

Das jeweilige Risiko, das von einem bestimmten Glücksspiel ausgeht, ist abhängig von seinem Suchtpotenzial.

Zu den Spielen, bei welchen die Gefahr an Glücksspielsucht zu erkranken hoch ist, zählen grundsätzlich Spiele mit einer schnellen Spielabfolge, wie beispielsweise Automatenspiele und Casinospiele.

Geldspielautomaten

Automatenspiele in Spielbanken besitzen unter den legalen Spielen das höchste Suchtpotenzial.

Ein Faktor für das hohe Suchtpotenzial von Glücksspielautomaten ist die schnelle Spielabfolge sowie das Suggerieren einer möglichen Beeinflussung des Spielablaufs.

Gewinne können unmittelbar wieder investiert werden. Glücksspielautomaten haben also ebenfalls ein kurzes Auszahlungsintervall. Entgegen der immer wieder geäußerten Annahme von Spielenden werden Spielautomaten nicht gefügiger, je mehr an ihnen gespielt wird. Durch einen Zufallsgenerator werden die Walzen so gesteuert, dass die Gewinnchancen bei jedem Spiel gleich sind. Nur der Zufall bestimmt, wo die Walzen stehen bleiben. Ton und Lichteffekte verstärken den Spielanreiz ebenso wie die Möglichkeit besonders hoher Gewinne. Die Wahrscheinlichkeit, dass Verluste entstehen, die das eigene Vermögen gefährden, ist hier besonders hoch.

Roulette

Das einzusetzende Geld wird bei Roulette in Jetons eingetauscht. Diese werden von den Spielern auf Farbe (rot oder schwarz) oder auf Zahlen (0 bis 36) gesetzt.

Im Falle eines Gewinns erhält der Spielende den doppelten bis vielfachen Einsatz. Der Glaube, dass mit bestimmten Spielsystemen die Gewinnchancen steigen, ist bei Spielbankenbesuchern weit verbreitet.

Das hohe Suchtpotenzial wird durch die schnelle Spielabfolge, der aktiven Einbeziehung des Spielenden durch Benutzen von Spielstrategien und dem Einsatz von „Spielgeld“ (Jetons) und der Atmosphäre in Spielbanken bestimmt. Die Gefahr der Entwicklung einer Glücksspielsucht ist beim Roulettespiel als hoch einzustufen.

Black Jack, Poker

Beim Black Jack und anderen Kartenspielen treten die Spielenden gegen die Spielbank an.

Das Spielergebnis ist teilweise von der eigenen Spielfähigkeit beeinflussbar, allerdings überschätzen viele Spielende die eigenen Spielfertigkeiten und setzen somit leichtfertig Geld ein.

Weil viele Spielrunden aufeinander folgen, sind hohe Verluste möglich. In Verbindung mit der relativ schnellen Spielabfolge und dem direkten Erhalt des Gewinns ist auch hier ein hohes Suchtpotenzial gegeben. Bei Kartenspielen in Spielbanken wird mit „Spielgeld“ (Jetons) gespielt, hier ist die Atmosphäre ebenfalls ein zusätzlicher Reiz.

Online-Poker

Wegen der leichten Verfügbarkeit durch einen Internetzugang besteht mittlerweile eine besonders grosse Gefahr, die Entwicklung von Sucht zu begünstigen.

Poker wird zunehmend als Kompetenzspiel verstanden. Dies wird durch die schnelle Abfolge mehrerer Spielrunden, die zu immer riskanteren Spieleinsätzen verführen, verstärkt. Durch die Möglichkeit der Bezahlung durch Kreditkarte oder Lastschriftverfahren werden finanzielle Verluste ausgeblendet. Trotz niedriger Einsätze können auch hier durch „hinterher jagen“ von Gewinnen innerhalb kurzer Zeit besonders hohe Verluste entstehen.

Durch das Alleinspielen beim Online-Poker entfällt die soziale Kontrolle, wodurch das Gefährdungspotential zusätzlich ansteigt.

Sportwetten

Sportbegeisterte Spielende können ihr eigenes Interesse mit einem Glücksspiel verbinden und haben deshalb häufig eine besonders hohe Motivation, an Sportwetten wie Sporttip teilzunehmen.

Gleichzeitig kommt es aber oft zu einer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten in Bezug auf den Spielverlauf, denn der Spielverlauf lässt sich mit Sicherheit voraussagen. Das Wissen über Mannschaftsaufstellungen und Fähigkeiten der Spieler wird beispielsweise überschätzt.

Bei Sportwetten sind hohe Gewinne und Verluste möglich. Sportwetten besitzen eine besonders große Gefahr, die Entwicklung von Sucht zu begünstigen. In besonderes hohem Maße gilt dies für Onlinesportwetten und Live-Wetten.

Sportwetten im Internet

Ein besonderer Spielanreiz ist hier durch die einfache Bedienbarkeit (per Mausklick kann Geld sehr einfach online gesetzt werden) und unbeschränkte Verfügbarkeit gegeben. Es besteht eine erhöhte Gefahr, spontane und unüberlegte Wetteinsätze zu tätigen.

Die eigenen Kompetenzen in Bezug auf die Sportergebnisse werden bei Sportwetten allgemein überschätzt, das Wettverhalten wird schnell verharmlost. Die leichte Verfügbarkeit stellt für Menschen, die Probleme mit Glücksspiel haben, zudem ein erhöhtes Gefahrenpotenzial ar.

Live-Wetten sind besonders kritisch zu betrachten, weil sich die Spielsituation permanent verändert und Anreize bietet, neue Einsätze während des Spiels zu tätigen.

Live-Wetten erfordern oftmals schnelle Entscheidungen. Es bleibt nur wenig Zeit, die Chancen und Höhe des Einsatzes zu überdenken. Dadurch neigt der Spieler zu riskanteren Einsätzen. Auch hier entfällt die soziale Kontrolle, wodurch das Risiko einer Sucht verstärkt wird.

Durch die bargeldlose Bezahlung der Spieleinsätze bei Online Sportwetten werden reale Verluste ausgeblendet und bagatellisiert. Sportwetten im Internet können zu problematischem Wettverhalten führen, zumal sie völlig unattraktive Spiele spannend machen können. Sportwetten im Internet besitzen eine besonders grossee Gefahr, die Entwicklung von Sucht zu begünstigen.

Pferdewetten PMU

Hierbei handelt es sich um klassische Pferdewetten, mit Liveübertragungen von Pferderennen aus aller Welt.

PMU kann ich hauptsächlich in Gastronomiebetrieben gespielt werden, häufig kann das Rennen auf einem Bildschirm mitverfolg werden. Das überschätzte Insiderwissen sowie das gemeinsame Verfolgen der Spiele am Bildschirm steigern wie bei Sportwetten das Gefährdungspotenzial. Nichts spricht zunächst dagegen, dass man gewinnen könnte und vielleicht dieses Mal den großen Gewinn erzielt, an dem man schon so oft so nah dran war. Die Möglichkeit von Verlusten wird verharmlost, die Hoffnung auf den großen Gewinn blendet eine rationale Selbsteinschätzung weitgehend aus.

Lotteriespiele und Lose

Durch diese geringe Ereignisfrequenz hat Swiss Lotto oder Euro Millions ein eher geringes Suchtpotenzial und gehört zu den moderaten Glücksspielen.

Wenngleich Lotterien ein eher moderates Suchtrisiko aufweisen, gibt es Fälle von lottosüchtigen SpielerInnen und Spielern. Die Gewinnchancen sind insgesamt sehr gering, daher können relativ hohe Verluste erzielt werden. Problematische Spielende spielen aber häufig auch mehrere Glücksspiele. In diesem Fall wird Lotto mit der Hoffnung gespielt, die Spielschulden durch einen möglichst hohen Gewinn wieder los zu werden. Ein hoher Jackpot erhöht die Suchtgefahr.

Rubbellose (wie bspw. Win für Life)

Haben eigentlich im Vergleich zu klassischen Glücksspielen wie Roulette oder Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeiten einen eher geringen Spielanreiz, dürfen aber wegen der schnellen Spielabfolge in ihrem Suchtrisiko nicht unterschätzt werden. Besonders für Jugendliche ist durch den geringen Kaufpreis der Anreiz von Rubellosen gross, obwohl sie, nach dem Jugendschutzgesetz für Minderjährige unter 18 Jahren verboten sind.

Day-Trading (kurzfristiger Aktienhandel)

Daytrading oder Intraday Trading beschreibt kurzfristige Spekulationen an der Börse.

Der Trader oder die Traderin wettet darauf, dass ein Börsenkurs steigt oder fällt. Tippt er richtig, kann er einen Gewinn erzielen. Liegt er falsch, ist das Geld verloren. Beim Daytrading handelt es sich um sehr kurzfristige Börsenspekulationen innerhalb von Stunden oder gar Minuten. Im Gegensatz zu langfristig angelegten Aktien sind Börsenschwankungen in solch geringen Zeiträumen sehr schwierig vorherzusagen. Daytrading hat daher den Charakter eines Glücksspiels, da das Resultat mehrheitlich vom Zufall abhängt.

Weitere Informationen dazu:
https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/uploads/media/GluecksspielAnDerBoerse.pdf
https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/uploads/media/MachtDieBoerseKrank.pdf

Private Glücksspiele

Diese Form der Glücksspiele ist in aller Regel illegal, wenn dabei um Geld gespielt wird.

Privat organisierte Glücksspiele sind alle Glücksspiele, die privat organisiert sind und nicht einer gesetzesmäßigen Reglementierung unterliegen, sie besitzen ein hohes Suchtpotenzial.

(Quelle: BZgA. Spielen mit Verantwortung)