Was tun als Partner/Vater/Tochter...?

Sie haben eine nahestehende Person, die unter einer Spielsucht leidet und Sie wollen ihr helfen. Dies ist sehr verständlich. Doch wie? Es ist gar nicht so einfach den richtigen Moment und die richtigen Worte für ein Gespräch zu finden. Vielleicht ist die Person noch nicht bereit, darüber zu sprechen oder sie verleugnet das Spielen sogar. Was Sie für die betroffene Person tun können, erfahren Sie hier.

Ich als PartnerIn

Wie spreche ich das Problem an?

  • Informieren Sie sich ausreichend über Glücksspielsucht und nehmen Sie das Problem ernst.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner offen, ehrlich und konkret über Ihre Sorgen und das, was Sie bewegt.
  • Zeigen Sie ihr oder ihm in einem ruhigen Moment die Hilfsmöglichkeiten auf (z.B. Beratungsstellen).
  • Versuchen Sie dabei, keine Vorwürfe zu machen. Halten Sie sich vor Augen, dass Glücksspielsucht eine Suchterkrankung ist und die Betroffenen nicht in böser Absicht handeln.

Wie kann ich helfen?

  • Sie können Ihren Partner unterstützen, indem Sie für Gespräche offen sind und ihm wertschätzend gegenüber stehen.
  • Nehmen Sie die Glücksspielsucht ernst, geben Sie ihr aber nicht so viel Raum, dass sie alles andere überdeckt.
  • Gönnen Sie den Sorgen auch mal eine Pause: Vereinbaren Sie Zeitfenster, in denen Sie sich gemeinsam ganz bewusst anderen, freudigen Aktivitäten widmen. In diesen Zeitfenstern soll die Glücksspielsucht nicht Thema sein

Was soll ich nicht tun?

  • Leihen Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin kein Geld.
  • Übernehmen Sie keine Kredite, bezahlen Sie keine offenen Rechnungen und gleichen Sie das überzogene Konto nicht aus.
  • Lügen Sie nicht für ihn oder sie (z.B. ihn beim Arbeitgeber krank melden, wenn er ins Casino geht oder die Nacht mit Online-Glücksspielen verbracht hat).
  • Drohen Sie keine Konsequenzen an, die nicht durchsetzbar sind oder die Sie nicht konsequent durchsetzen wollen (z.B. mit einem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung drohen).
  • Nehmen Sie ihm oder ihr keine Versprechungen ab, die kaum umzusetzen sind. Können diese nicht eingehalten werden, ist die Enttäuschung auf beiden Seiten gross.
  • Bagatellisieren Sie die Folgen des Glücksspiels nicht.

Sie als Partner oder Partnerin können für den anderen nicht die Entscheidung treffen, mit dem Spielen aufzuhören.

Aber wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin sich dazu entschliesst, dann können Sie ihn bzw. sie dabei unterstützen und begleiten.

Wie rede ich mit den Kindern darüber? Soll ich überhaupt darüber sprechen?

Muss man darüber sprechen?

Kinder, auch schon im Kleinkindalter, spüren sehr gut, wenn in der Familie etwas nicht stimmt. Deshalb ist es wichtig, dass sie verstehen, was geschieht. Wenn Kinder in altersgerechter Sprache aufgeklärt werden und Fragen stellen können, sind sie in der Lage, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Geheimnisse und Ungewissheit sind viel schwerer zu tragen, als mit der Wahrheit umzugehen.

Was soll ich meinem Kind sagen?

Es ist nicht leicht, Worte für ein so schwieriges Thema zu finden, das man auch selbst oft nicht wirklich gut versteht. Vielleicht können Sie damit beginnen, dass Sie über Ihre Gefühle sprechen (Traurigkeit, Bedauern etc.) und Ihr Kind dann fragen, wie es die Situation wahrnimmt und was es darüber weiss. Denken Sie daran: Die Hauptsache ist, es zu versuchen. Stellen Sie nicht zu hohe Ansprüche an sich. Seien Sie ehrlich und sprechen Sie in einfachen Worten. Das ist ein guter Start. Sie müssen nicht alles gleich beim ersten Gespräch erklären.

Was wenn mein Kind allen davon erzählt?

Sie befürchten, dass Ihr Kind allen erzählen wird, was bei Ihnen los ist. Sie schämen sich und haben Angst, dass die anderen über Sie urteilen und sich einmischen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über diese Angst und wählen Sie mit ihm gemeinsam eine oder zwei Vertrauenspersonen aus, mit denen es sprechen könnte. Es ist für Ihr Kind sehr wichtig, dass es sich nicht isoliert fühlt und weiss, dass es über seine Situation und seine Gefühle sprechen darf.

Für weitere Fragen rund um das Thema Sucht und Familie besuchen Sie unsere Internetseite: www.elternundsucht.ch

Ich als Vater/Mutter

Es ist oft gar nicht so leicht herauszufinden, ob der Sohn oder die Tochter ein Problem mit Geldspielen hat. Viele Anzeichen können auch andere Ursachen haben. Grundsätzlich gelten folgende Tipps:

  • Diskutieren Sie zusammen mit mit Ihrem Sohn, Ihrer Tochter über die Thematik und lassen Sie sich von ihnen zeigen, was genau gespielt wird und was die Faszination für sie ausmacht.
  • Geben Sie keine Kreditkartendaten heraus. Auch nicht in einem anderen Zusammenhang.
  • Behalten Sie den Überblick auch über die Telefonrechnung, denn auch über das Telefon können Käufe getätigt werden. Reagieren Sie rasch bei steigenden Beträgen.

Glücksspiel = Games?

Nebst Glücksspielen, bei welchem der Spielverlauf ganz oder mehrheitlich vom Zufall abhängt, gibt es auch Gratis-Videospiele, bei welchen man sich im Verlaufe des Spiels durch Käufe von Gadgets Vorteile verschaffen kann. Auch bei diesen Spielen kann es zu hohen Ausgaben kommen. E handelt es sich dabei aber nicht um Glücksspiele, sondern um Online-Spiele (Games) mit Geldeinsatz.

Games und Glücksspiele sind in der Tat jedoch nicht immer klar voneinander trennbar. So ist es bspw. bei Übertragungen von live-Spielen, in welchen Gamer gegeneinander antreten, möglich, Wetten auf den Spielausgang zu platzieren. Auch finden sich teilweise Glücksspielelemente in der virtuellen Spiele-Welt von Games, So kann bspw. eine Spielfigur in ein virtuelles Casino gehen und sein Spielgeld auf Glücksspiele setzen.

Gratis-Nummern "0800 xx xx: sind nicht immer gratis"

Egal ob es sich um ein Gewinnspiel wie bspw. einen Wettbewerb oder den Kauf von Guthaben für ein Game handelt, 0800-Nummern zu wählen, kann mehrere Franken pro Minute kosten. Da heute viele Jugendliche ein Smartphone besitzen, ist es für die Anbieter einfach, auf diesem Weg an das Geld heranzukommen.

Mehr Privatsphäre auf dem Handy?

Wussten Sie, dass Smartphone-Apps ungefragt auf die gespeicherten privaten Daten (Ortsbewegungen, Nutzerdaten, Adressdaten, gespeicherte Medien etc.) zugreifen, wenn diese nicht selbständig blockiert werden? Unter “Einstellungen” kann man den Zugriff sperren.

Wann muss ich mir Sorgen machen?

Die Situation wird problematisch, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter

  • mit Spielen versucht, bereits erlittene Verluste wettzumachen;
  • andere Interesse, die Schule oder die Ausbildung vernachlässigt;
  • unruhig wird, weil er/sie nicht spielen kann;
  • trotz Problemen weiter spielt;
  • den Vorsatz, nicht zu spielen, nicht einhalten kann.

Wo gibt es Hilfe?

Zögern Sie nicht, fachliche Hilfe zu suchen. Jugendberatungsstellen, Suchtberatungsstellen oder Erziehungsberatungsstellen können Ihnen und Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter helfen. Zögern Sie nicht, alleine oder gemeinsam um Rat zu fragen.

Mehr Informationen zum Thema «Eltern von Jugendlichen und Glücksspiel»: Elternbrief von Sucht Schweiz

Ich als Sohn / Tocher

Dein Vater oder deine Mutter hat ein Geldspielproblem und das beschäftigt dich. Es ist wichtig, dass du verstehst, dass Spielsucht eine Krankheit ist. Du bist nicht für die Krankheit verantwortlich und kannst nichts dafür, wenn sie oder er sich nicht ändern will.
Aber für DEIN eigenes Leben kannst du Verantwortung übernehmen. Es ist wichtig, dass du auf dich aufpasst. Hier ein paar Möglichkeiten, was du für dich tun kannst.

Sprich darüber

Du hast das Recht, darüber zu sprechen und es ist wichtig, dass du dies tust und dir Hilfe holst, wenn du welche brauchst.

Kannst du mit dem Elternteil, der nicht spielt, darüber sprechen? Wenn ja, dann sag ihm, was dir Sorgen und was dir Angst macht. Hab keine Bedenken zu sagen, wie es dir geht. Du hast das Recht dazu.

Hast du Freunde, mit denen du darüber sprechen kannst?

Du kannst auch mit jemandem ausserhalb deines Zuhauses darüber reden, zum Beispiel mit deiner Grossmutter oder deinem Götti, oder mit einer anderen erwachsenen Person, die du gern hast (ein Lehrer, eine Nachbarin usw.).

Auch Hausärzte oder –Ärztinnen oder spezialisierte Suchtberatungsstelle können Fragen zu Sucht beantworten.

Und falls du darüber sprechen magst, aber nicht weisst mit wem, dann kannst du gratis und anonym die Telefonnummer 147 (für Kinder/Jugendliche) anrufen. Oder bei uns schriftlich oder telefonisch eine Frage stellen.

Tu dir was Gutes

Auch wenn es zuhause schwierig ist, darfst du Spass haben und dich mit Freunden treffen! Es ist sogar sehr wichtig, dass du eigene Freizeitaktivitäten planst. Erlebst du schöne Momente, wird es dir gut gehen und das wird dir wiederum helfen, dich in schwierigen Momenten stärker zu fühlen. Wenn du etwas für dich tust, bedeutet das nicht, dass du deine Familie vergisst.

Du kannst einem Hobby nachgehen: eine Sportart, ein Instrument, Zeichnen, die Pfadi – Alles, was Freude bereitet, ist erlaubt! Nutze Aktivitäten, die von der Schule angeboten werden, falls es welche gibt.

Wo finde ich Hilfe?

Es gibt in jedem Kanton Beratungsstellen, die du aufsuchen kannst und die dir Fragen beantworten und weiterhelfen.

Was du ebenfalls immer tun kannst, wenn du ein Bedürfnis hast, zu reden: Die Gratis-Nummer 147 von Pro Juventute für Kinder und Jugendliche anrufen.

Es gibt viele Internetseiten für Jugendliche, die dir bei Fragen weiterhelfen können. Auf www.meinselbstwertgefuehl.ch erfährst du, wie du dein Selbstvertrauen aufbauen kannst. Fragen rund um Konsum, Sucht, aber auch andere Themen, die dich interessieren könnten, findest du unter www.feel-ok.ch. www.mamatrinkt.ch gibt dir Tipps, wie du mit der Sucht eines Elternteils umgehen kannst. Der Fokus liegt bei dieser Seite auf der Alkoholsucht, doch die Tipps können dir auch in deiner Situation helfen.

Ich als Arbeitgeber/Vorgesetzte/Mitarbeitende

Sie vermuten, dass Ihr Mitarbeiter / Ihre Mitarbeiterin ein Geldspielproblem hat? Vielleicht hat er oder sie Sie sogar um Hilfe gebeten oder möchte, dass Sie ihm/ihr den Lohn frühzeitig überweisen? Sie fühlen sich unsicher, wie Sie reagieren können. Hier finden Sie Tipps für einige typische Situationen.

Ich vermute eine Geldspielproblematik bei meinem Mitarbeiter. Soll ich ihn darauf ansprechen?

Wenn Sie Vorgesetzte/r sind, geht es nicht darum, die Geldspielproblematik aufzudecken. Bleiben Sie bei den Fakten zu Arbeitsverhalten und Leistung. Wenn Sie dazu Veränderungen beim Mitarbeiter beobachten, sprechen Sie diese an und treffen Sie Vereinbarungen dazu. Die Ursache kann auch eine andere sein und es ist nicht Aufgabe des Vorgesetzten, eine Diagnose zu stellen.

Mein Mitarbeiter hat mir gesagt, er habe ein Geldspielproblem. Was kann ich tun?

Ihr Mitarbeiter hat Vertrauen zu Ihnen, das ist positiv zu werten. Gleichzeitig ist es wichtig, Ihre Grenzen als Vorgesetzter/r zu kennen und zu wissen, was Sie tun können.
Informieren Sie sich über Glücksspielsucht. So können Sie das Verhalten Ihres Mitarbeiters besser nachvollziehen.
Wertschätzen Sie das Vertrauen, welches er Ihnen entgegen bringt, aber nehmen Sie niemals eine therapeutische Haltung ein. Bleiben Sie bei Aspekten, welche die Arbeits- und Leistungsfähigkeit betreffen und treffen Sie Zielvereinbarungen diesbezüglich.

Raten Sie Ihrem Mitarbeiter, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Mein Mitarbeiter fragte mich, ob er den Lohn früher erhalten könne? Meine Arbeitskollegin wollte Geld bei mir leihen? Wie reagiere ich?

Grundsätzlich ist davon abzuraten, Geld zu leihen, wenn ein Verdacht auf eine Geldspielproblematik besteht. Indem Geld geliehen wird, unterstützt man die Person, weiter zu spielen.

Gibt es sowas wie "Warnsignale", wie man eine Geldspielsucht bei einem Mitarbeitenden oder einem Arbeitskollegen frühzeitig erkennen kann?

Es gibt Zeichen, die darauf hindeuten können, dass eine Geldspielsucht besteht. Trotzdem bleibt es sehr schwierig, da immer auch andere Ursachen dahinter stecken können: Der/die Mitarbeiter/in benutzt den Arbeitscomputer, um zu spielen

  • Der/die Mitarbeiter/in leiht Geld von anderen Mitarbeitern
  • Der/die Mitarbeiter/in verlangt den Lohn vorziehen zu können
  • Der/die Mitarbeiter/in wirkt gestresst, reagiert gereizt, wenn ihn jemand auf Spielen anspricht

In der Rolle als Vorgesetzte/r ist es wichtig, Beobachtungen und Veränderungen über einen gewissen Zeitraum zu notieren. So hat man in einem klärenden Gespräch etwas in der Hand. Bleiben Sie dabei bei den Fakten zu Arbeits- und Leistungsverhalten, welches Sie beobachten konnten.

Was kann man tun, wenn die Vermutung besteht, dass eine Arbeitskollegin unter einer Spielsucht leidet?

Informieren Sie sich ausreichend über Glücksspielsuchtund nehmen Sie das Problem ernst. Sprechen Sie mit der Kollegin offen, ehrlich und konkret über Ihre Sorgen und das, was Sie beobachtet haben. Sprechen Sie in Ich-Form und über wahrgenommene Veränderungen. Die Sucht muss dabei nicht unbedingt angesprochen werden. Zum Beispiel: "Ich mache mir Sorgen um dich, da du in letzter Zeit so bedrückt wirkst. Ist alles in Ordnung bei dir?". Respektieren Sie den Entscheid, wenn die Kollegin nicht darüber sprechen will.
Falls sie sich Ihnen öffnet, zeigen Sie ihr in einem ruhigen Moment die Hilfsmöglichkeiten auf (z.B. Beratungsstellen).

Schützen Sie sie jedoch nicht vor Vorgesetzten und KollegInnen, indem Sie für sie Aufgaben übernehmen oder Fehler decken. Damit ist ihr nicht geholfen.