Erkennungsmerkmale
- Wenn Ihr Klient/Ihre Klientin chronisch zu wenig Geld hat und nicht erklären kann, wofür er/sie es ausgibt. Er/sie kauft sich auch offensichtlich keine teuren Kleider oder hat kein teures Auto, lebt grundsätzlich sehr bescheiden, einfach und zurückgezogen.
- Er/sie hebt Anfang Monat innerhalb weniger Tage oder an einem Tag das ganze Lohnguthaben ab. Bezüge von mehreren hundert oder von tausend Franken am gleichen Tag (Nähe von Casino oder Spielclub, jedoch nicht unbedingt am Wohn- oder Arbeitsort, was auf Post-/oder Bankauszug ersichtlich ist).
- Er/sie hat Schulden bei Bekannten und Verwandten.
- Er/sie hat einen oder mehrere Kredite aufgenommen. Verpfändet oder verkauft persönliche Wertgegenstände.
- Er/sie gibt ausweichende Erklärungen, wofür das Geld ausgegeben wurde.
- Er/sie hat gesundheitliche Beschwerden wie z.B. Konzentrations- oder Leistungsstörungen, Kreislaufbeschwerden, Schlaflosigkeit, Magen- oder Darmbeschwerden.
- Es bestehen nur wenige soziale Kontakte, keine Hobbys, Probleme in der Familie.
- Das äussere Erscheinungsbild ist eher vernachlässigt.
- Er/sie reagiert aggressiv im Gespräch oder ist in Gedanken versunken (unkonzentriert).
- Er/sie hat seine Arbeitsstelle verloren, weil er/sie öfters zu spät gekommen ist oder unentschuldigt abwesend war.
- Er/sie klagt über depressive Verstimmung, Ängste, Verzweiflung bis zu Suizidgedanken.
Wenn mehrere dieser Merkmale zutreffen, kann eine Glücksspielproblematik vorliegen. Fragen Sie direkt danach oder vielleicht könnte ein möglicher Einstieg zu einem diesbezüglichen Gespräch auch die persönliche Ansicht des Klienten über „(Spiel-)Glück und Schicksal“ oder „Geld macht glücklich?“ sein.
Ein problematischen Geldspiel bedeutet nicht, dass für immer auf jegliche Art von Glücksspiel verzichtet werden muss. Sicher ist eine spielfreie Zeit während der Schuldensanierung angezeigt. Damit man nach dieser Zeit nicht wieder in das alte Geldspielmuster verfällt, braucht es ein Aufarbeiten der Geldspielphase und neue Regeln für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geldspielen.
Vielen ist der wöchentliche Lottoeinsatz von wenigen Franken ein liebgewonnenes Ritual. Dagegen ist nichts einzuwenden. Manchmal wird jedoch ein langjähriges, unproblematisches Verhalten durch Schicksalsschläge unüberlegt zu einem Ventil für Stress, Frust und Lustlosigkeit. Dann kommt zu allen anderen Schwierigkeiten auch noch eine Abhängigkeitsspirale hinzu und die Lebensqualität leidet noch mehr.
Selber behandeln oder zum Spezialisten überweisen?
Manchmal verträgt der einzelne Mensch oder ein Familiensystem nicht noch weitere Fachpersonen. Und Sie haben einen guten Draht zum Klienten/zur Klientin entwickelt. Dann ist es sinnvoller, wenn eine Glücksspielproblematik im bereits bestehenden Setting angegangen wird. Nach dem Motto: Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Der pragmatische Weg wird dem utopischen vorgezogen. Holen Sie sich jedoch Rückenstärkung von einer Fachperson. Meist genügt eine telefonische Supervision und Sie haben die Bestätigung, dass Sie auf gutem Weg sind, oder Sie bekommen neue Impulse für die weiteren Schritte. Dafür können Sie eine Fachperson einer Suchtberatung in Ihrer Nähe oder die Helpline 0800 040 080 kontaktieren.








